LipedemaCare

Neue Entdeckung bei Lipödem-Schmerzen: Fettsäuren und Myristinsäure

1.5.2026

Die revolutionäre Analyse von Lundanes und seinen Kollegen

In dieser von Lundanes et al. (2026) verfassten Studie [1] wird der Einfluss von Ernährungsstrategien auf Schmerzen bei Frauen mit der Diagnose Lipödem und Fettleibigkeit aus einem bisher wenig beachteten Blickwinkel untersucht: über die Plasma-Fettsäurezusammensetzung. In den tausenden von Fällen, die ich während meiner Karriere gesehen habe, war die häufigste Beschwerde meiner Patienten meist nicht aus ästhetischen Gründen, sondern die unerträglichen, manchmal wie ein Messerstich, manchmal überwältigenden chronischen Schmerzen. Diese Studie schließt eine Lücke, die wir Chirurgen in der klinischen Umgebung beobachten, aber nicht ausreichend biochemisch untermauern konnten. Während in der Literatur die Mechanismen der Lipödemschmerzen meist mit Entzündungen oder erhöhtem Druck im Gewebe erklärt werden, zeigt diese Forschung, wie die Qualität der Fette in unserem Blut Schmerzen 'modulieren' (einstellen) kann.

Ein frischer Wind in der Literatur: Was ist neu?

Das grundlegende Merkmal, das diesen Artikel von den anderen tausenden Lipödemartikeln in meiner Bibliothek unterscheidet, ist der Fokus nicht nur auf dem Gewichtsverlust, sondern auf der Vielfalt der Fettsäuren. Die vorhandene Literatur besagt in der Regel, dass kohlenhydratarme Diäten Schmerzen reduzieren [2]. Aber die Antwort auf die Frage warum blieb immer vage. Lundanes und sein Team zeigen in dieser Studie, dass die Verringerung der Schmerzen tatsächlich direkt mit dem Rückgang von gesättigten Fettsäuren (SFA), insbesondere von Myristinsäure und Palmitinsäure, verbunden ist. Dies ist ein wirklich 'neues' Wissen in der Lipödemliteratur. Keine vorhergehende klinische Studie hat so klar quantifiziert, dass ein Rückgang um 1 Einheit des Plasmaspiegels von Myristinsäure mit einer Verbesserung um 1 Punkt auf der Schmerzskala einhergehen kann.

Der heimliche Schuldige der Schmerzen: Myristinsäure und die schlechte Treibstoffmetapher

Wenn ich meinen Patienten die Situation erkläre, verwende ich oft eine Metapher: Denken Sie an Ihren Körper wie an einen Automotor. Wenn Sie diesem Motor minderwertigen Sprit geben, stottert er und überhitzt. Myristinsäure ist der 'schlechte Treibstoff', der Rückstände im Gewebe von Personen mit Lipödem hinterlässt. Laut den Ergebnissen der Studie ist der Gehalt dieser Säure in der Gruppe, die sich kohlenhydratarm ernährt, dramatisch gesunken, und parallel dazu haben die Schmerzen der Patienten deutlich abgenommen. Mit meinen klinischen Erfahrungen habe ich festgestellt, dass; wenn wir die Kohlenhydrate reduzieren, der Körper nicht nur Fett verbrennt, sondern auch beginnt, diese spezifischen Fettarten, die Schmerzen auslösen, aus dem Blutkreislauf zu entfernen. Das Geheimnis, warum eine kohlenhydratarme Diät bei der Schmerzbekämpfung eindeutig erfolgreicher ist als eine fettarme Diät, könnte hier liegen.

Entzündung oder Fibrose? Überraschende Ergebnisse

Die seit langem dominierende Ansicht in der Lipödem-Welt war, dass Schmerzen das Ergebnis einer systemischen Entzündung sind. Diese Studie bietet jedoch einen Hinweis, der im Widerspruch zu einigen vorherigen Daten steht. Die Forscher stellen fest, dass die Verringerung der Schmerzen nicht direkt mit Veränderungen der systemischen Entzündungsmarker (wie Zytokinen) verbunden ist, sondern vielmehr mit Veränderungen im Fettsäureprofil. Dies unterstützt die Theorie von Bertsch et al. (2020), dass Schmerzen eher mit Fibrose (Verhärtung des Bindegewebes) und Druck in der extrazellulären Matrix zusammenhängen [3]. Mit der Veränderung der Fettsäurezusammensetzung könnte die Verhärtung im Gewebe (Fibrose) abnehmen oder der Druck auf die Nervenenden nachlassen, was uns Chirurgen erneut beweist, wie lebenswichtig die Ernährung in der prä- und postoperativen Phase ist.

Kohlenhydratarm (LCD) vs. Fettarm (LFD): Wer ist der wahre Sieger?

In der Studie haben beide Diätgruppen insgesamt 1200 Kalorien konsumiert, und beide Gruppen haben an Gewicht verloren. Der Unterschied ist jedoch frappierend: Bei Frauen, die eine kohlenhydratarme Diät befolgten, fiel der Schmerzscore um -1,3 Einheiten, während in der fettarmen Diätgruppe nur eine Veränderung von -0,2 Einheiten zu verzeichnen war. Dies ist der größte Beweis dafür, dass der Ansatz 'Kalorien sind Kalorien' bei Lipödem nicht funktioniert. Bei der Analyse der Fettsäuren wurden im LCD-Team auch signifikante Rückgänge bei einfach ungesättigten Fetten wie Palmitoleinsäure und Ölsäure beobachtet. Noch wichtiger ist, dass der Rückgang von gesättigten Fetten wie Myristinsäure und Palmitinsäure nur bei der LCD-Gruppe mit einer statistisch signifikanten Verbesserung der Schmerzen verbunden war. Im Vergleich zu anderen Studien in der Literatur stimmt dieses Ergebnis vollständig mit Experimenten überein, die von Sekar et al. (2020) an Tieren durchgeführt wurden und gezeigt haben, dass gesättigte Fette Schmerzen auslösen [4].

Meine klinischen Beobachtungen und praktischen Schlussfolgerungen

In meiner Klinik empfehle ich meinen Patienten, die eine Lipödemoperation planen, mindestens 8 Wochen vor der Operation auf eine kohlenhydratarme Ernährung umzusteigen. Das Feedback, das ich normalerweise erhalte, lautet: 'Doc, die schwere Last und der Schmerz in meinen Beinen sind verschwunden, ohne dass ich operiert werden musste.' Die Studie von Lundanes und seinem Team erklärt wissenschaftlich, warum ich dieses Feedback erhalte: Die Myristinsäurespiegel im Plasma meiner Patienten sinken! Diese Säure kommt nicht nur in tierischen Fetten vor, sondern auch in einigen pflanzlichen Quellen, aber das eigentliche Problem ist, wie der Körper mit dieser Säure umgeht, wenn sie mit hohen Kohlenhydraten kombiniert wird. Der Anstieg des Lignoserinsäure im fettarmen Diätansatz zeigt, dass der Körper versucht, durch eigene Fettsäuresynthese (de novo Lipogenese) ein Fettdefizit auszugleichen, was für das Lipödemgewebe nicht wünschenswert ist.

Verändert sich die Ernährung zur Schmerzlinderung?

Dieser Artikel dient als Leuchtturm, der zeigt, wie nicht 'wie viel' Sie essen, sondern 'was' Sie essen, eine Antwort auf plasmatische Ebene findet. Die Studien von Dinnendahl et al. (2024) hoben hervor, dass die Schmerztoleranz bei Lipödempatienten mit Druck im Gewebe variiert [5]. Die Ergebnisse von Lundanes flüstern darüber, dass der chemische Auslöser hinter diesem Gewebedruck das Profil der gesättigten Fettsäuren sein könnte. Insbesondere die Kontrolle der Aufnahme von Myristinsäure und Palmitinsäure und dass dies nur mit einer kohlenhydratarmen Strategie möglich ist, ist die praktischste Schlussfolgerung für unsere Patienten.

Fazit: Ein ebenso wichtiger Schritt wie die Operation

Zusammenfassend zeigt diese Studie uns Folgendes: Lipödemschmerzen sind kein Schicksal und können nicht einfach mit einem Schmerzmittel überbrückt werden. Ihre Plasma-Fettsäurezusammensetzung zu verändern, ist der Schlüssel, um die chronische Entzündung in Ihren Beinen zu löschen. Als Chirurg kann ich sagen, dass die Gewebewqualität eines Patienten, der sein Plasma-Fettprofil durch Ernährung verändert hat, während und nach der chirurgischen Genesung viel höher ist. Dieser Artikel ist von unschätzbarem Wert, da er die Obsession der Literatur mit 'Entzündung' beiseitelegt und den Fokus auf die 'Fettqualitäten' lenkt. In Zukunft werden wir möglicherweise darüber sprechen, Lipödemschmerzen nicht nur durch Diät, sondern auch durch Ergänzungen, die direkt auf Myristinsäure abzielen, zu kontrollieren.

Literaturverzeichnis

  1. Lundanes, J., Nes, V. F., Hansson, P., et al. (2026). Changes in plasma fatty acid composition in females with lipedema following low-carbohydrate vs low-fat diets and associations with pain reduction. Nutrition Journal.https://doi.org/10.1186/s12937-026-01304-y
    Zusammenfassung
    Lundanes, J., Nes, V. F., Hansson, P., Fristedt, R., Landberg, R., Martins, C., & Nymo, S. (2026). Changes in plasma fatty acid composition in females with lipedema following low-carbohydrate vs low-fat diets and associations with pain reduction. Nutrition Journal, 25, 47.
  2. Faerber, G., Cornely, M., Daubert, C., et al. (2024). S2k guideline lipedema. Journal der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft.https://doi.org/10.1111/ddg.15467
    Zusammenfassung
    Faerber, G., Cornely, M., Daubert, C., Erbacher, G., Fink, J., Hirsch, T., et al. (2024). S2k guideline lipedema. Journal der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft, 22(9), 1303–1315.
  3. Bertsch, T., Erbacher, G., & Elwell, R. (2020). Lipoedema: a paradigm shift and consensus. Journal of Wound Care.https://doi.org/10.12968/jowc.2020.29.Sup11b.1
    Zusammenfassung
    Bertsch, T., Erbacher, G., & Elwell, R. (2020). Lipoedema: a paradigm shift and consensus. Journal of Wound Care, 29(Sup11b), 1–51.
  4. Sekar, S., Panchal, S. K., Ghattamaneni, N. K., et al. (2020). Dietary Saturated Fatty Acids Modulate Pain Behaviour in Trauma-Induced Osteoarthritis in Rats. Nutrients.https://doi.org/10.3390/nu12020509
    Zusammenfassung
    Sekar, S., Panchal, S. K., Ghattamaneni, N. K., Brown, L., Crawford, R., Xiao, Y., et al. (2020). Dietary Saturated Fatty Acids Modulate Pain Behaviour in Trauma-Induced Osteoarthritis in Rats. Nutrients, 12(2), 509.
  5. Dinnendahl, R., Tschimmel, D., Löw, V., et al. (2024). Non-obese lipedema patients show a distinctly altered quantitative sensory testing profile with high diagnostic potential. Pain Reports.https://doi.org/10.1097/PR9.0000000000001155
    Zusammenfassung
    Dinnendahl, R., Tschimmel, D., Löw, V., Cornely, M., & Hucho, T. (2024). Non-obese lipedema patients show a distinctly altered quantitative sensory testing profile with high diagnostic potential. Pain Reports, 9(3), e1155.

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