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Was ist das Manschettenzeichen beim Lipödem? Warum bleiben Hände und Füße frei?

Prof.Dr. Mustafa SAÇAR

Ein sichtbarer Hinweis beim Lipödem ist der abrupte Übergang am Knöchel oder Handgelenk. Das Bein oder der Arm wirkt voller, während Fuß oder Hand relativ normal aussehen. Diese Erscheinung wird Manschettenzeichen oder cuff sign genannt.

Das Manschettenzeichen stellt allein keine Diagnose. Entscheidend sind symmetrische Fettverteilung, Schmerzen, Berührungsempfindlichkeit, leichte Blutergüsse, ausgesparte Hände oder Füße und der Ausschluss ähnlicher Erkrankungen. Aktuelle Leitlinien beschreiben Lipödem als disproportionale Fettgewebsverteilung an den Extremitäten, wobei Rumpf, Hände und Füße typischerweise nicht betroffen sind (Faerber et al., 2024; Herbst et al., 2021). Einen Überblick bietet Lipödem Symptome.

Was bedeutet das Manschettenzeichen?

Das Manschettenzeichen ist eine sichtbare oder tastbare Grenze, an der das Lipödemgewebe am Knöchel oder Handgelenk zu enden scheint. Am Bein kann die Wade voll wirken, während der Fuß ausgespart bleibt. Am Arm kann eine ähnliche Grenze vor der Hand auffallen. Klinische Übersichten beschreiben diese klare Abgrenzung an Händen oder Füßen als hilfreichen Hinweis zur Erkennung des Lipödems (Mortada et al., 2025).

Warum bleiben Hände und Füße meist ausgespart?

Beim Lipödem vermehrt sich das Unterhautfettgewebe in bestimmten Regionen der Extremitäten. Häufig sind Hüften, Oberschenkel, Knie, Waden und manchmal Arme betroffen. Hände und Füße zeigen meist nicht dasselbe Muster. Kruppa und Kollegen nennen die beidseitige symmetrische disproportionale Fettgewebsvermehrung mit Aussparung von Händen und Füßen als klinisches Kriterium (Kruppa et al., 2020).

Das bedeutet nicht, dass Hände und Füße nie anschwellen. Wärme, langes Stehen, Venenschwäche, lymphatische Belastung, Medikamente, Nieren- oder Herzerkrankungen können Schwellungen verursachen. Deshalb ist das Manschettenzeichen ein Hinweis, aber kein Beweis.

Hat es mit Lipödem-Typen zu tun?

Ja. Das Manschettenzeichen hängt mit der Verteilung des Lipödemgewebes zusammen. Bei manchen Patientinnen stehen Oberschenkel im Vordergrund, bei anderen die Waden. Bei Armbefall kann ein Übergang am Handgelenk auffallen. Lipödem Typen erklärt diese Verteilung. Armbefall wird in Lipödem an den Armen erklärt.

Wie unterscheidet es sich vom Lymphödem?

Ein Lymphödem entsteht durch Ansammlung von Lymphflüssigkeit im Gewebe. Anders als beim typischen Lipödem können Fußrücken, Zehen, Handrücken oder Finger deutlicher betroffen sein. Beim Stemmer-Zeichen lässt sich die Hautfalte an der zweiten Zehe nicht gut anheben; das spricht eher für Lymphödem. Beim Lipödem sind die Füße meist ausgespart und das Stemmer-Zeichen oft negativ.

In späteren Stadien oder wenn zusätzlich ein Lymphödem entsteht, kann sich das Bild vermischen. Dann spricht man manchmal von Lipolymphödem. Diese Unterscheidung verändert die Behandlung. Mehr dazu unter Unterschied zwischen Lipödem und Lymphödem.

Wann sollte man es abklären lassen?

Ein seit langem bestehendes, beidseitiges Manschettenbild ist nicht unbedingt dringend. Neu auftretende einseitige Schwellung von Fuß, Bein, Hand oder Arm, Rötung, Wärme, starke Schmerzen, Atemnot, Brustschmerz oder rasch zunehmende Schwellung sollten jedoch dringend beurteilt werden.

Wenn Manschettenzeichen, ausgesparte Hände oder Füße, symmetrische Umfangszunahme, Schmerz, Berührungsempfindlichkeit und Blutergüsse zusammen auftreten, kann Lipödem Selbsttest helfen, die Beschwerden geordnet zu erfassen. Er stellt keine Diagnose. Die Grundlagen finden Sie unter was Lipödem ist. Veränderungen im Verlauf erklärt Lipödem Stadien. Bei leichten Blutergüssen ist blaue Flecken bei Lipödem ergänzend sinnvoll.

Kurz zusammengefasst

Das Manschettenzeichen beschreibt eine Grenze am Knöchel oder Handgelenk, an der Lipödemgewebe zu enden scheint. Hände und Füße bleiben meist relativ ausgespart. Das hilft bei der Abgrenzung zum Lymphödem, ersetzt aber keine Diagnose.

7.5.2026
7.5.2026
Mustafa SAÇAR
Prof.Dr. Mustafa SAÇARKalp ve Damar Cerrahisi UzmanıÖzel Cerrahi Hastanesi, Denizli, TURKEY

Literaturverzeichnis

  1. Faerber, G., Cornely, M., Daubert, C., Erbacher, G., Fink, J., Hirsch, T., Mendoza, E., Miller, A., Rabe, E., Rapprich, S., Reich-Schupke, S., Stücker, M., & Brenner, E. (2024). S2k guideline lipedema. JDDG: Journal der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft, 22(9), 1303-1315. [https://doi.org/10.1111/ddg.15513https://doi.org/10.1111/ddg.15513PMID: 39188170
  2. Herbst, K. L., Kahn, L. A., Iker, E., Ehrlich, C., Wright, T., McHutchison, L., Schwartz, J., Sleigh, M., Donahue, P. M. C., Lisson, K. H., Faris, T., Miller, J., Lontok, E., Schwartz, M. S., Dean, S. M., Bartholomew, J. R., Armour, P., Correa-Perez, M., Pennings, N., Wallace, E. L., & Larson, E. (2021). Standard of care for lipedema in the United States. Phlebology, 36(10), 779-796. [https://doi.org/10.1177/02683555211015887https://doi.org/10.1177/02683555211015887PMID: 34049453
  3. Kruppa, P., Georgiou, I., Biermann, N., Prantl, L., Klein-Weigel, P., & Ghods, M. (2020). Lipedema: Pathogenesis, diagnosis, and treatment options. Deutsches �rzteblatt International, 117(22-23), 396-403. [https://doi.org/10.3238/arztebl.2020.0396https://doi.org/10.3238/arztebl.2020.0396PMID: 32762835
  4. Mortada, H. H., Alhithlool, A. W., AlBattal, N. Z., Shetty, R. K., Al-Mekhlafi, G. A., Hong, J. P., & Alshomer, F. (2025). Lipedema: Clinical features, diagnosis, and management. Archives of Plastic Surgery, 52(3), 185-196. [https://doi.org/10.1055/a-2530-5875https://doi.org/10.1055/a-2530-5875PMID: 40386000

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