LipedemaCare

Lipödem und Menopause: Warum Beschwerden zunehmen können

Prof.Dr. Mustafa SAÇAR

Viele Patientinnen berichten, dass sich das Lipödem in der Perimenopause oder Menopause schwerer steuern lässt. Die Beine fühlen sich schwerer an, Schmerzen und Druckempfindlichkeit nehmen zu, der Schlaf wird schlechter und Bewegung fällt schwerer. Das passiert nicht bei jeder Patientin gleich, aber Hormone, Körperzusammensetzung, Schlaf, Muskelkraft, Darmrhythmus und Stoffwechsel verändern sich in dieser Phase oft gleichzeitig.

Verursacht die Menopause direkt ein Lipödem?

Die Menopause verursacht nicht bei jeder Frau ein Lipödem. Dennoch wird häufig beschrieben, dass Lipödem in hormonellen Übergangsphasen wie Pubertät, Schwangerschaft und Menopause auffällt oder stärker wird. Konsensusarbeiten akzeptieren, dass hormonelle Veränderungen Symptome auslösen oder verstärken können, betonen aber auch, dass die genauen Mechanismen noch nicht vollständig geklärt sind (Herbst et al., 2021; Kruppa et al., 2026).

Wenn bereits ein Lipödem besteht, kann die Gewebeempfindlichkeit deutlicher werden. Schmerzen, leichte Blutergüsse und symmetrische Umfangszunahme sollten zusammen betrachtet werden; Lipödem Symptome ordnet diese Zeichen klinisch ein.

Was verändert sich bei sinkendem Östrogen?

Östrogen wirkt nicht nur auf die Fortpflanzungsorgane. Es beeinflusst Fettgewebe, Gefäße, Muskeln, Knochen, Schlaf und Entzündungsreaktionen. In der Menopause können zentrale Fettzunahme, weniger Muskelmasse, stärkere Insulinresistenz, Hitzewallungen, Schlafunterbrechungen und weniger Energie auftreten (Kodoth et al., 2022; Baker et al., 2018).

Beim Lipödem werden zusätzlich Östrogenrezeptoren, lokale Östrogenbildung, Entzündung und Fibrose im Fettgewebe diskutiert. Pinto da Costa Viana et al. (2025) beschreiben die Menopause als möglichen Wendepunkt, doch dieses Modell ist noch kein gesicherter Therapieplan.

Warum fühlen sich die Beschwerden stärker an?

Schlechter Schlaf kann die Schmerzschwelle senken. Weniger Muskelmasse macht Alltag und Treppen belastender. Zentrale Fettzunahme und Insulinresistenz können Müdigkeit und Heißhunger verstärken. In druckempfindlichem Lipödemgewebe können diese Faktoren den Alltag deutlich erschweren.

Gewichtszunahme in der Menopause muss vom Lipödemgewebe unterschieden werden. Ein schmerzhaftes, unverhältnismäßiges Mehr an Beinen und Hüften lässt sich nicht allein mit Kalorien erklären. Lipödem oder Adipositas ist deshalb wichtig für realistische Erwartungen.

Schmerzen, Schweregefühl und Schwellung

Gefäßtonus, Flüssigkeitshaushalt, Schlaf und Aktivität können sich verändern. Wenn Hitzewallungen den Schlaf unterbrechen und Bewegung abnimmt, arbeitet die Muskelpumpe schlechter. Die Muskelpumpe hilft Venen und Lymphsystem, Flüssigkeit aus den Beinen zurückzuführen.

Lipödemschmerz hängt nicht nur von der Gewebemenge ab. Druckempfindlichkeit, entzündliche Signale und Schmerzverarbeitung spielen mit. Lipödem-Schmerzen erklärt diesen Zusammenhang patientennah.

Ernährung, Muskeln und Darm

Ziel ist nicht nur ein niedrigeres Gewicht. Protein, Ballaststoffe, ausreichend Flüssigkeit, Elektrolyte und stabile Blutzuckerwerte sind in der Menopause besonders wichtig. Wenn restriktive Diäten Muskelverlust fördern, kann das Schweregefühl trotz Gewichtsabnahme bleiben. Fett- und Proteinzufuhr bei Lipödem stellt Muskelerhalt und Gewebequalität in den Mittelpunkt.

Verstopfung kann durch weniger Bewegung, Stress, schlechten Schlaf, zu wenig Flüssigkeit und zu wenig Ballaststoffe zunehmen. Sie vergrößert das Lipödemgewebe nicht direkt, kann aber Schwere und Blähgefühl verstärken. Verstopfung bei Lipödem macht diesen Punkt praktisch greifbar.

Bewegung und Hormontherapie

Bewegung soll nicht erschöpfen, sondern Funktion erhalten. Gehen, Wassertraining, leichte Kraftübungen, Atem- und Mobilitätsübungen werden oft besser vertragen. Bei Knie-, Hüft-, Rückenbeschwerden oder Hypermobilität sollte Sprungbelastung vorsichtig eingesetzt werden. Lipödem Übungen betont sichere Bewegung statt reines Kalorienverbrennen.

Eine menopausale Hormontherapie kann bei ausgewählten Beschwerden wie Hitzewallungen und Schlafstörung besprochen werden, ist aber keine zugelassene Lipödemtherapie. Risiken wie Brustkrebsanamnese, Thromboserisiko, Lebererkrankung oder unkontrollierter Blutdruck müssen ärztlich geprüft werden (Pinto da Costa Viana et al., 2025).

Praktische Schritte

  • Gewicht, Taille, Beinumfang und Schmerz gemeinsam verfolgen.
  • Protein, Flüssigkeit und Elektrolyte prüfen.
  • Schlaf, Hitzewallungen und Nachtschweiß notieren.
  • Mehrmals pro Woche niedrig belastende Bewegung und sanftes Krafttraining einplanen.
  • Plötzliche einseitige Schwellung, starke Wadenschmerzen, Atemnot oder Brustschmerz sofort abklären lassen.

Die Menopause kann das Lipödem komplexer machen, bedeutet aber nicht Kontrollverlust. Ernährung, muskelerhaltende Bewegung, Schlafpflege, Darmmanagement und konservative Maßnahmen greifen ineinander. Bei starkem Schwere- und Spannungsgefühl verbindet manuelle Lymphdrainage und Kompression Kompression und manuelle Lymphdrainage mit dem restlichen Plan.

9.5.2026
9.5.2026
Mustafa SAÇAR
Prof.Dr. Mustafa SAÇARKalp ve Damar Cerrahisi UzmanıÖzel Cerrahi Hastanesi, Denizli, TURKEY

Literaturverzeichnis

  1. Herbst, K. L., Kahn, L. A., Iker, E., Ehrlich, C., Wright, T., McHutchison, L., Schwartz, J., Sleigh, M., Donahue, P. M. C., Lisson, K. H., Faris, T., Miller, J., Lontok, E., Schwartz, M. S., Dean, S. M., Bartholomew, J. R., Armour, P., Correa-Perez, M., Pennings, N., Wallace, E. L., & Larson, E. (2021). Standard of care for lipedema in the United States. Phlebology, 36(10), 779–796. https://doi.org/10.1177/02683555211015887https://doi.org/10.1177/02683555211015887PMID: 34049453
  2. Kruppa, P., Crescenzi, R., Faerber, G., et al. (2026). Lipedema World Alliance Delphi Consensus-Based Position Paper on the Definition and Management of Lipedema: Results from the 2023 Lipedema World Congress in Potsdam. Nature Communications, 17, 427. https://doi.org/10.1038/s41467-025-68232-zhttps://doi.org/10.1038/s41467-025-68232-z
  3. Pinto da Costa Viana, D., Caseri Câmara, L., & Borges Palau, R. (2025). Menopause as a critical turning point in lipedema: The estrogen receptor imbalance, intracrine estrogen, and adipose tissue dysfunction model. International Journal of Molecular Sciences, 26(15), 7074. https://doi.org/10.3390/ijms26157074https://doi.org/10.3390/ijms26157074PMID: 40806207
  4. Kodoth, V., Scaccia, S., & Aggarwal, B. (2022). Adverse changes in body composition during the menopausal transition and relation to cardiovascular risk: A contemporary review. Women's Health Reports, 3(1), 573–581. https://doi.org/10.1089/whr.2021.0119https://doi.org/10.1089/whr.2021.0119PMID: 35814604
  5. Baker, F. C., Lampio, L., Saaresranta, T., & Polo-Kantola, P. (2018). Sleep and sleep disorders in the menopausal transition. Sleep Medicine Clinics, 13(3), 443–456. https://doi.org/10.1016/j.jsmc.2018.04.011https://doi.org/10.1016/j.jsmc.2018.04.011PMID: 30098758

Kommentare (0)

Bitte loggen Sie sich ein, um zu kommentieren.

Anmelden
Laden...